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Bielefeld University - Faculty of technology

Studieren in den USA- was ist zu tun?

Ein Erfahrungsbericht von Karsten Loer


Inhalt:

  1. Vorbemerkung
  2. Einleitung
  3. Worüber man sich rechtzeitig Gedanken machen sollte
  4. Welche Anforderungen sind gefragt?
  5. Was sind TOEFL, TWE, TSE, GRE ...
  6. Wo bekomme ich weitere Infos
  7. Welche Unterlagen muß ich besorgen?
  8. Was wird das alles kosten?
  9. Welches Visum benötige ich?
  10. Welche Chancen habe ich?
  11. Acknowledgements

Vorbemerkung:

Diese Seiten entstanden nach erfolgreicher Fertigstellung meiner Bewerbung für die University of Arizona, Tucson -- leider weiss ich derzeit noch nicht, ob auch die Bewerbung selbst von Erfolg gekrönt sein wird.
Sie basieren insbesonders auf meine Erfahrungen als Student der naturwissenschaftlichen Informatik an Technischen Fakultät der Universität Bielefeld und sind daher nur eingeschränkt auf andere Informatikstudiengänge und Hochschulen übertragbar.
Weiterhin gehe ich davon aus, daß der interessierte Leser (ich liebe diesen Ausdruck ...) plant, nach abgeschlossenem Studium ins Ausland zu gehen, um dort eine akademischen Titel zu erwerben. Studienbegleitende Auslandsaufenthalte sind hier nicht erfaßt.
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Einleitung:

Während meiner Vorbereitung bemerkte ich sehr schnell, daß es nicht allzuviele Informationen zu diesem Thema gibt. Der DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst) hält die eine oder andere Broschüre bereit. Diese sind aber für Informatiker nur dazu geeignet, sich einen überblick über das amerikanische Schul- und Hochschulwesen zu verschaffen. Aus diesem Grund werde ich es mir an dieser Stelle auch ersparen, näher auf dieses -doch recht komplexe- Thema einzugehen.
(An dieser Stelle sei insbesondere auf die Broschüre "Studienführer Vereinigte Staaten von Amerika" von Ulrich Littmann verwiesen, die kostenlos beim DAAD zu bekommen ist.)
Nach Lektüre dieser Broschüre(n) kann ich auch Gespräche mit den DAAD-Mitarbeitern empfehlen. Diese haben zwar keine bis sehr wenig Erfahrung, welche Möglichkeiten sie speziell für Informatiker bieten können -abgesehen einmal von studienbegleitenden Auslandsaufenthalten über z.B. das ERASMUS-Programm, da ihr Klientel hauptsächlich aus StudentInnen der grossen Fakultäten dieser Uni besteht. Sie sind aber äusserst hilfsbereit und können bei konkreten Fragen die nötigen Informationen besorgen oder zumindest an andere Stellen weitervermitteln. Ausserdem kennen sie sich mit dem jeweils aktuellen Stand der diversen DAAD- und Fulbright-Programme aus.
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Worüber man sich Gedanken machen sollte:

Zuerst der Tiefschlag:-)

Für die Vorbereitung sollte mindestens ein Jahr veranschlagt werden. Planst Du, den Aufenthalt über ein Stipendium zu finanzieren, sind auch 18-24 Monate durchaus nicht zu hoch gegriffen.
Erfahrungen anderer Personen, die sich zu diesen Seiten geäßert haben, zeigen jedoch, daß es auch schneller gehen kann. Wenn ein guter Kontakt einer Arbeitsgruppe zur gewünschten Institution besteht, kann es sein, daß sogar sechs bis acht Monate an Vorbereitung ausreichen. Bevor man mit derart kurzen Zeiträmen rechnet, sollte man sich seiner Sache aber schon sehr sicher sein.
Weitere Infos: siehe unten.

Welcher Degree?

Zuerst musst Du Dich entscheiden, was Du moechtest: Masters Degree oder PhD (Philosophical Doctor).
Der Masters Degree ist in etwas vergleichbar mit dem Deutschen Diplom. Der PhD ist -pauschal gesagt- etwas über dem deutschen Doktortitel anzusiedeln. (Dies ist zumindest die einhellige Meinung aller PhD-Absolventen, die ich kenne. Ein deutscher Doktorant würde diese Aussage wahrscheinlich nicht so hinnehmen.)
Für den Masters Degree kann man etwa zwei Jahre veranschlagen. Wenn man mit einem PhD liebäugelt, sollte man durchaus vier bis sechs Jahre veranschlagen.

Vorsicht !

Nicht alle Degrees, die man im Ausland erlangen kann, werden auch in Deutschland anerkannt !
Es gibt verschiedene fachlich kompetente Organisationen, durch die die Fülle der amerikanischen Institutionen nach ihren Ausbildungsleistungen beurteilt wird. An anerkannte Bildungseinrichtungen werden von ihnen sogenannte "Accredetations" vergeben. Nur Abschlüsse, die in akkreditierten Studiengängen erlangt werden, können auch in Deutschland anerkannt werden. Für deutsche Interessenten sind besonders die dem "Council of Graduate Schools in the United Staates" (CGS) angeschlossenen Hochschulen zu nennen, deren Abschlüsse durchweg akzeptiert werden. Eine Liste der dem CGS angehörenden Institutionen findet sich im Anhang der oben genannten Broschüre.
Eine Einzelfallprüfung ist jedoch immer empfehlenswert, wenn man nicht das Risiko eingehen will, "umsonst" studiert zu haben.
Möchtest Du nicht in den USA studieren, sondern nach dem Studium z.B. als 'research scholar', also als eingeladene(r) GastforscherIn arbeiten, so gelten einiger der Überlegungen auf dieser Seite nicht.(Ich werde -soweit mir das aus eigener und den Erfahrungsberichten von anderen bekannt ist- an entsprechender Stelle darauf verweisen.)

Wohin ?

Nun, das kommt auf Deine Interessen an. Der beste Weg (zumindest fachlich gesehen -- ich gehe einmal davon aus, daß Du in die Staaten möchtest, um zu studieren und nicht ausschliesslich, um den Partylöwen zu spielen) ist wahrscheinlich, die Papers aus Deinem Lieblings-Fachgebiet vorzunehmen und zu schauen, wo die Autoren arbeiten. Ich interessiere mich z.B. für approximatives pattern matching, multiple Alignments und speziell das shortest common Superstring-Problem. Ein Wissenschaftler, der auf diesem Gebiet sehr erfolgreich arbeitet, ist Gene Myers in Arizona.
Je nach ausgewählter Uni und Abschluß sind dann auch unterschiedliche Anforderungen zu erfüllen.
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Welche Anforderungen sind gefragt?

Neben guten bis sehr guten Englischkenntnissen und der Bereitschaft weit weg von zuhause zu leben und zu arbeiten verlangen amerikanische Universitäten, diverse Tests zu absolvieren. Sämtliche Test werden über den Educational Testing Service (ETS) abgewickelt. Wichtig: Die Tests werden meist einmal pro Monat (und dann weltweit derselbe Test am selben Tag) durchgeführt. Je nach Test solltest Du Dich mindestens 3 Monate vor dem gewünschten Termin anmelden, da der Andrang zumindest bei den Basis-Tests (TOEFL/TWE s.u.) erfahrungsgemäß sehr groß ist.

Als Ausländer benötigst Du auf jeden Fall den Test of English as Foreign Language (TOEFL). Am besten wählst Du einen Termin an dem auch der Test of Written English (TWE) angeboten wird.

Wenn Du beabsichtigst, Dich für ein Teaching-Assistantship (entspricht grob dem Tutorenjob hier) zu bewerben, benötigst Du ausserdem gute Ergebnisse im Test of Spoken English (TSE).

Ausserdem benötigst Du den GRE General Test.

Wenn Du Dich fuer ein PhD-Studium interessierst, verlangen viele Unis noch den jeweiligen GRE Subject Test. Im Fachgebiet Informatik gibt es da den Computer Science und den Computer Engineering Test. Hier kommt es auf das Studienfach an, welcher Test zu absolvieren ist. Sowohl zu TOEFL und TWE als auch zu GRE General Tests liegt übungs- und Informationsmaterial beim DAAD bereit.

Eine Bewerbung fü die Tests ist grundsätzlich nur mit den den entsprechenden Informationsheften (Bulletins) beigefügten computerlesbaren Anmeldeformularen möglich. Die Bulletins sind in allen Amerikahäusern ausgelegt oder sind mit einem bischen Glück beim Auslandsamt zu bekommen. Sie können außerdem direkt bei CITO, P.O.Box 1203, 6801 BE Arnhem, Netherlands oder über die ETS-Webseiten angefordert werden.

Wenn Du nicht dort studierst sondern z.B. in besagter 'teaching scholarship' Position arbeitest, dann kann es sein, daß diese Tests nicht verlangt werden. Planst Du aber, alternativ auch an andere Institute zu gehen, die Englisch als Arbeitssprache haben (z.B. einige Graduate Schools in Dänemark oder den Niederlanden), so sind zumindest die Sprachtests keine hinausgeworfene Investition, da sie dort auch verlangt werden.

Bemerkungen am Rande:

    Der Spaß ist nicht ganz billig. Allein die Tests haben mich die Kleinigkeit umgerechnet 600,-DM gekostet. Hinzu kommt, daß bestimmte Tests nicht an allen Testcentern abgelegt werden können. Ich habe meine Tests z.B. in Hamburg gemacht.
    Gegebenenfalls sind also zusaetzliche Reise- und (wenn Du dort niemanden kennst) auch Unterkunftskosten einzuplanen, da manche Tests bereits um 8.00h beginnen und um die Zeit z.B. noch keine Zugverbindungen nach HH existieren.
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    Was verbirgt sich hinter all diesen Tests?

    Kurz gesagt: Es lohnt sich immer, sich intensiv auf die Tests vorzubereiten.
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    Wo bekomme ich weitere Infos?

    Grundliegendes Infomaterial zum Auslandsstudium kannst Du wie bereits erwähnt beim DAAD (Deutscher Akademischer Auslandsdienst) bekommen. Die Leute dort sind sehr hilfsbereit und können Dir auch zum Thema Stipendien weiterhelfen. (Versprich Dir aber nicht zuviel von Stipendien. Meine Erfahrung ist, daß besonders auf unserem Gebiet nicht allzuviel zu machen ist). Prinzipiell kommen sowieso nur Fulbright- oder DAAD-Stipendien in Fragen, wenn Du nicht das Glueck hast, einen privaten oder industriellen Sponsor zu haben.
    Gerade in den USA haben alle Unis und meistens auch die Informatik-Arbeitsgruppen ihre WWW-Server auf denen alle wichtigen Informationen liegen. Dort kannst Du oft sogar die Bewerbungsunterlagen direkt downloaden.

    Wann sollte man beginnen, sich darum zu kuemmern ?

    So frueh wie moeglich. Allein fuer die Tests kannst Du locker 6 Monate einplanen. Ohne die Testergebnisse wird eine Bewerbung erst garnicht bearbeitet. Die Bewerbungsfristen an den Uni liegen meistens 6-9 Monate vor geplantem Studienbeginn. PhD-Studien beginnen grundsaetzlich nur zum Herbstsemester (Oktober). Das ist eventuell ein Aspekt, den Du bereits beim Studium in Deutschland beruecksichtigen solltest. Manchmal kannst Du das Glück haben, daß Du erst ein Masters-Studium beginnen kannst in dem Du Kurse belegst, die auch fuer den PhD benötigt werden und dann zum nächstmoeglichen Termin in das PhD-Programm wechseln kannst. Diese Möglichkeit bieten aber leider nur wenige Unis. In meinem Fall liegen zwischen ersten Bemühungen und dem geplanten Studienbeginn gut 18 Monate.
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    Welche Unterlagen muß ich besorgen?

    Das solltest Du am besten mit der gewählten Uni klären, da die Anforderungen doch sehr variieren können.
    Was Du in jedem Fall benötigen wirst sind:
    Für die Graduate School: Für das Department, an dem Du später Studieren/arbeiten möchtest: Sämtliche Formulare und sonstige Unterlagen kann man beim Office of Graduate Admission der betreffende Uni anfordern oder direkt als Postscript oder PDF-Files über das Netz holen und sich dann ausdrucken. Dort stehen auch meist ausgiebige Informationen über die zu erbringenden Leistungen und einzureichenden Unterlagen zur Verfügung.
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    Was kostet das alles?

    'Ne Menge Holz :-)
    Die Kosten sind natürlich auch abhängig von diversen Faktoren wie z.B. gewählter Uni, Dollarkurs und erforderlicher Nebenkosten für die ETS-Tests.
    Beispielrechnung:
    Kosten ETS-Tests
    PostenPreis
    TOEFL/TWE$ 53/100 (DM 260,-)[*]
    GRE General Test$ 80 (DM 136,-)
    GRE Subject Test (CBT-Version)$ 120 (DM 204,-)
    Nebenkosten Tests
    Bahnfahrten (3x mit Bahncard)DM 270,-
    2 Übernachtungen (TOEFL, GRE General) DM 140,-
    sonstige Kosten
    Bearbeitungsgebühr Graduate College$ 35 (DM 60,-)
    internationaler Überweisungsträger DM 20,-
    Porto (Luftpost,Einschreiben!) DM 60,-
    Porto fuer 2 zusätzliche BriefeDM 33,-
    Gesamtkosten: stolze 1183,-DM
    [*]Als Dollarkurs wurde DM 1,70 angenommen.
    Weiterhin sollte man auf irgendeine Weise die in der Financial Guarantee aufgeführte Summe verfügbar haben. (z.B. Arizona 1997: 18.700$, Santa Cruz 1997: 22.000$)
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    Visum

    Darum brauchst Du Dich erst zu kümmern, wenn Du eine Benachrichtigung der Uni bekommst, daß Du angenommen bist.
    Mit den Unterlagen, die dir die Uni schickt bekommst Du das Visa meistens innerhalb von einer Woche beim naechsten Konsulat.
    Aufgrund des damit verbundenen Papierkram's [Finanzierung, Krankenversicherung und Lebenslauf (CV)] kann sich aber auch das in die Länge ziehen, sodaß man für diese Formalitäten durchaus nocheinmal zwei bis drei Wochen einplanen sollte. Vergebene Visatypen sind F1, J1 oder J2 (je nach Familienstand und geplanter Tätigkeit in den Staaten.

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    Weitere Formalitäten:

    Wenn Du bis hierher alle Hürden genommen hast, kannst Du Dich schon einmal auf einige Kleinigkeiten in den USA vorbereiten. Da wären z.B. noch die Social Security Number, ggf. eine Arbeitserlaubnis für den Ehepartner, der Internationale Fuehrerschein und die lokale driving licence des Staates... alles Dinge, die sich so nach und nach einpendeln werden.

    Welche Chancen habe ich, angenommen zu werden?

    Diese Frage stelle ich mir auch gerade >:->
    Es ist jedenfalls immer sinnvoll, sich nicht nur auf eine Bewerbung zu verlassen und sich auch um Alternativen zu kümmern. Eine Empfehlung von jemandem, der bereits PhD-Student in den USA ist und sich ein wenig mit den Abläufen bei Personalentscheidungen auskennt:
    Drei bis sechs zusätzliche Bewerbungen bei anderen Unis machen immer Sinn. Im Zweifelsfall kann man seine Bewerbung immer noch zurückziehen.
    Erfahrung dazu meinerseits: Wenn man weiß, was man möchte und die Bewerbungsunterlagen für eine Institution erst einmal ausgearbeitet sind, dann ist der Aufwand für weitere Bewerbungen relativ gering, da man die meisten Unterlagen übernehmen kann. Man sollte sich jedoch rechtzeitig Alternativen überlegen, da man dann die Institutionen gleich bei den ETS-Tests angeben kann. Das spart unnötige Mehrausgaben durch nachträgliches Anfordern von Testergebnissen.

    Acknowledgements

    In diesen Seiten sind nicht nur meine, sondern auch die Erfahrungen von Bekannten und ehemaligen Kommilitonen eingegangen. Besonderer Dank gilt an dieser Stelle Prof. Peter Ladkin PhD für seine Hilfe bei den Übersetzungen der angefügten Dokumente, sowie Robert Muth (PhD Candidate am Department of Computer Science, University of Arizona, Tuscon) und Markus von der Heyde, ehemaliger NWI'ler und jetzt research scholar am Department of Computer Science, University of Rochester, New York.
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    Viel Erfolg bei der Bewerbung!

    Für Anregungen/Kommentare zu diesen Seiten wäre ich dankbar.

    Karsten Loer